Familie

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Familie

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Fa|mi|lie [fa'mi:liŐĮ…ô], die; -, -n:
a) Gemeinschaft von Eltern und Kindern:
eine Familie mit vier Kindern; die Familie von nebenan ist verreist; eine Familie gr√ľnden; ich habe eine gro√üe Familie.
Zus.: Nachbarsfamilie.
b) Gruppe aller verwandtschaftlich zusammengehörenden Personen:
das Haus ist schon seit zweihundert Jahren im Besitz der Familie; aus guter Familie stammen; in eine Familie einheiraten.
Syn.: ‚ÜĎ Anhang, ‚ÜĎ Clan, ‚ÜĎ Geschlecht, ‚ÜĎ Haus, ‚ÜĎ Sippe (meist scherzh. oder abwertend), ‚ÜĎ Sippschaft (meist abwertend), ‚ÜĎ Verwandtschaft.
Zus.: Adelsfamilie, Arbeiterfamilie.

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Fa|mi|lie ‚Ć©[ -lj…ô] f. 19‚Ć™
1. ‚Ć©i.¬†e.¬†S.‚Ć™ Eltern u. Kinder
2. ‚Ć©i.¬†w.¬†S.‚Ć™ Geschlecht, Sippe, alle Verwandten
3. ‚Ć©biolog. Systematik‚Ć™ obligator. Kategorienstufe zw. Gattung u. Ordnung
‚óŹ \Familie Schulze; einen Todesfall in der \Familie haben ‚óŹ damit kannst du keine \Familie ern√§hren; \Familie haben verheiratet sein u. Kinder haben; keine \Familie haben unverheiratet sein ‚óŹ eine f√ľnfk√∂pfige, gl√ľckliche, gro√üe, kleine \Familie; die heilige \Familie Maria, Josef u. das Jesuskind; eine kinderreiche \Familie ‚óŹ aus guter \Familie sein von guter Abstammung; im Scho√ü der \Familie ‚Ć©fig.‚Ć™; der Besitz befindet sich schon seit Jahrhunderten in der \Familie; es bleibt in der \Familie ‚Ć©umg.‚Ć™ es bleibt unter uns; die musikalische Begabung liegt bei uns in der \Familie kommt bei uns h√§ufig vor, vererbt sich immer weiter; das kommt in den besten \Familien vor ‚Ć©umg.; scherzh.‚Ć™ das kann jedem passieren, das ist nicht so schlimm; unser Freund geh√∂rt zur \Familie geht bei uns aus und ein, ist ganz vertraut mit uns [<lat. familia ‚ÄěHausgenossenschaft, Hauswesen‚Äú]

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Fa|mi|lie , die; -, -n [lat. familia, eigtl. = Gesinde, Kollektivbildung zu: famulus, ‚ÜĎ Famulus]:
1.
a) aus einem Elternpaar od. einem Elternteil u. mindestens einem Kind bestehende [Lebens]gemeinschaft:
eine vierköpfige, große, intakte, kinderreiche F.;
F. Meyer ist verreist;
eine F. gr√ľnden;
haben Sie F.? (haben Sie einen Partner, eine Partnerin u. Kinder?);
R das kommt in den besten -n vor (das kann jedem passieren, ist nicht so schlimm);
b) Gruppe aller miteinander [bluts]verwandten Personen; Sippe:
eine alte, adlige, reiche F.;
(iron.:) eine feine, schöne F.!;
aus guter F. stammen;
in eine F. einheiraten;
das liegt in der F. (ist ihre Eigenart).
2. (Biol.) systematische Einheit, Kategorie, in der näher miteinander verwandte Gattungen tierischer od. pflanzlicher Lebewesen zusammengefasst sind.
3. Gesamtheit, Serie von ähnlich gebauten technischen Geräten [eines Herstellers] mit gleichem od. verwandtem System.

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I
Familie,
 
Die Familie stellt in allen Staaten der Welt eine anerkannte gesellschaftliche Institution dar, obwohl der Begriff Familie ökonomischen, politischen, sozialen, kulturellen und ethnischen Veränderungen unterliegt. Im weiteren Sinne meint Familie die Gruppe miteinander verwandter oder verschwägerter Menschen; zum Teil bezeichnen sich heute auch Wohn- und Lebensgemeinschaften von unverheirateten oder verwandtschaftlich nicht verbundenen Menschen als Familie. Im engeren Sinne ist Familie die Lebensgemeinschaft der Eltern mit ihren ledigen (leiblichen und/oder adoptierten) Kindern.
 
Wie in allen europ√§ischen L√§ndern hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland die Zahl der Familien wie die der Geburten (1985: 950 816 insgesamt in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR; 1993: 798 447) erheblich verringert, wobei immer h√§ufiger Ein-Kind-Familien anzutreffen sind, in denen 1993 bereits knapp √ľber 50 % aller Kinder unter 18 Jahren aufwuchsen, w√§hrend (meist einkommensstarke) Familien mit drei oder mehr Kindern unter 18 Jahren mit circa 10 % Anteil schon eher die Ausnahme bildeten. In Deutschland gab es 1993 rund 7,9 Mill. vollst√§ndige Familien mit etwa 13,38 Mill. Kindern unter 18 Jahren und 1,6 Mill. meist durch Scheidung oder Getrenntleben der Eltern unvollst√§ndige Familien mit etwa 2,18 Mill. Kindern unter 18 Jahren (alle Angaben: Statistisches Jahrbuch 1995). In den letzten Jahren hat der Anteil unverheiratet (und meist kinderlos) zusammenlebender ehe√§hnlicher Gemeinschaften stark zugenommen; nach Angaben des Bundesministeriums f√ľr Familie und Senioren lag er 1991 f√ľr die Gruppe der 20- bis 34-J√§hrigen bei 17,5 %.
 
Trotz der Ausweitung alternativer Lebensformen (beispielsweise Wohngemeinschaften von Jugendlichen oder Studenten) wachsen noch immer beinahe alle Kinder in einem Familienhaushalt auf. In Deutschland lebten 1993 circa 81 % der minderjährigen Kinder mit beiden Eltern und circa 13,3 % mit einem Elternteil (in der Regel der Mutter) zusammen, während eine im Vergleich sehr geringe Zahl von Kindern in Pflegefamilien oder in Heimen untergebracht ist.
 
In den Industrienationen ist die Klein- oder auch Kernfamilie zur dominierenden Familienstruktur geworden, w√§hrend die auch als Mehrgenerationenfamilien bezeichneten Gro√üfamilien sehr in den Hintergrund getreten und meist nur noch in agrarisch strukturierten Regionen zu finden sind. Im Unterschied zu institutionalisierten Erziehungsumwelten wie Kindergarten, Schule oder Heim zeichnet sich die Familie durch geringe Gr√∂√üe, Konstanz der (verschiedengeschlechtlichen erwachsenen) Bezugspersonen sowie alltagsbezogene Handlungen und Kommunikationsprozesse im Rahmen individueller wie gemeinsamer Bed√ľrfnisbefriedigung aus. Eine besondere Bedeutung f√ľr den Erwerb sozialer Kompetenzen kommt dabei der Eltern-Kind-Beziehung zu, die dem sozialen Wandel jedoch ebenso unterliegt wie die Familie selbst.
 
Zentrale Aspekte beziehungsweise Probleme heutiger Familienstrukturen und -politik sind die Berufst√§tigkeit der M√ľtter, allgemein nachlassender Kinderwunsch, die verst√§rkte Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt (¬ĽVerinselung¬ę der Kinder), die Gleichstellung nichtehelicher Kinder und deren M√ľtter sowie die ¬ĽAuswanderung¬ę von Personen und T√§tigkeiten aus dem Familienhaushalt als Folge der vorherrschenden Kern- oder Kleinfamilie.
 
II
Famili|e
 
[zu lateinisch famulus; urspr√ľnglich ¬ĽDienerschaft¬ę, ¬ĽGesinde¬ę, ¬ĽHausgenossenschaft¬ę] die, -/-n, (seit dem 16., endg√ľltig seit dem 18. Jahrhundert) die (Lebens-)Gemeinschaft der Eltern und ihrer unselbstst√§ndigen Kinder, im weiteren Sinn auch einschlie√ülich der Verwandtschaft; vor dem 16. Jahrhundert, v. a. in l√§ndlichen Bereichen besonders Mitteleuropas, auch die Hausgenossenschaft einschlie√ülich des ledigen Gesindes (aufz√§hlend ¬Ľ[Mann], Weib und Kind¬ę beziehungsweise ¬ĽHaus¬ę, lateinisch ¬Ľfamilia¬ę genannt).
 
Unabh√§ngig von den historisch vielf√§ltigen Formen der Familie sind die Funktionen, die ihr in den verschiedenen sozialen Ordnungssystemen zukommen: die Fortpflanzung und Aufzucht der Nachkommen, die arbeitsteilige Produktion, die Versorgung und Sozialisation ihrer Mitglieder sowie deren Platzierung im sozialen Gef√ľge. Die Gesellschaft unterst√ľtzt die von ihr gebilligten Familienformen und strukturiert diese durch Heiratsregeln, Verwandtschaftssysteme und weitere Kontrollmechanismen. Als Grundlage der Familie gilt in den meisten Kulturen die Ehe beziehungsweise das h√§usliche Zusammenleben in ehe√§hnlicher Lebensgemeinschaft. Besteht die Familie im einfachsten Fall aus nur einem oder zwei Elternteilen sowie deren Kindern, wird diese kleinste Einheit als autonome Kernfamilie (Kleinfamilie), gegebenenfalls als Gattenfamilie (Ehegatten ohne Kinder) bezeichnet. Dar√ľber hinaus entstehen durch Tod, Scheidung oder Trennung beziehungsweise durch nichteheliche Mutterschaft so genannte unvollst√§ndige Familie oder Ein-Eltern-Familie. Hinsichtlich der hierarch. beziehungsweise Autorit√§tsbeziehungen innerhalb der Familie werden patriarchale (Dominanz des Vaters), matriarchale (Dominanz der Mutter) oder partnerschaftliche Familienstrukturen unterschieden.
 
 Außereuropäische Aspekte
 
Autonome Kernfamilien, wie sie in den Industriel√§ndern (wenngleich durch die √úbertragung vieler familientypischer Aufgaben - z. B. Produktion - an au√üerh√§usliche Institutionen in heute modifizierter Form) vorkommen, sind im weltweiten Vergleich und insbesondere aus historischer Sicht eher selten. Die meisten Feldbau treibenden Gesellschaften (einschlie√ülich der fr√ľhen Hochkulturen) wie auch die der nomadischen Viehz√ľchtergesellschaften lebten und leben in gr√∂√üeren, komplexer zusammengesetzten, oftmals autorit√§r organisierten Familieverb√§nden, in die Mitglieder weiterer Generationen (Mehrgenerationenfamilie) und zus√§tzliche Ehepartner (polygame Familie) eingeschaltet sein k√∂nnen. Diese Familienformen finden sich heute v. a. im islamischen Orient, in Afrika und Melanesien. Sind Familien in gr√∂√üere Verwandtschaftsverb√§nde eingebettet, werden Ehen in Hinblick auf das Gedeihen und Fortbestehen solcher Einheiten arrangiert; bei autonomen Kernfamilien ist die Eheschlie√üung hingegen in der Regel der Entscheidung der Beteiligten √ľberlassen.
 
Eigenst√§ndige Familienformen entwickelten sich in China und Japan. Die vaterrechtliche b√§uerliche Familie bestand seit Beginn der chinesischen Geschichte um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Der Konfuzianismus √ľbernahm die Familienidee als Kernst√ľck in seine Morallehre: Im Mittelpunkt standen das nur von m√§nnlichen Nachkommen vollziehbare Ahnenopfer, die Kindes- und Bruderliebe sowie √ľberhaupt die Einordnungsbereitschaft des Einzelnen. W√§hrend die ¬Ľnat√ľrliche Familie¬ę gew√∂hnlich nur vier bis acht Personen unter einem Dach vereinte, konnte die ¬ĽEigentumsfamilie¬ę, die nur bei Reichtum als ¬ĽGro√üfamilie¬ę wirklich zusammenlebte, Hunderte von Mitgliedern umfassen. Die St√§rke der Familie n√ľtzte dem Staat bei der Verwaltung, weil er von ihr als der kleinsten Einheit ausgehen konnte, schadete ihm aber auch, weil die vorrangige Verpflichtung gegen√ľber der Familie die Korruption beg√ľnstigte. Trotz der Aufl√∂sung des despotisch verh√§rteten Familiensystems im 20. Jahrhundert spielen Familienbindungen gegenw√§rtig noch immer (oder wieder) eine gro√üe Rolle, selbst im politischen Leben.
 
Die traditionelle japanische Familie war ebenfalls patriarchalisch bestimmt; sie formte sich im Schwertadel des fr√ľhen Mittelalters, dessen Wertsystem konfuzianisch gepr√§gt war. Das m√§nnliche Oberhaupt bildete das Bindeglied der Geschlechterkette der Familie, deren Fortbestand durch die Generationenfolge wesentliche Zwecksetzung war. Die Frau verlie√ü ihre urspr√ľngliche Familie durch die Heirat und wurde Mitglied der Familie des Ehemannes. Der hohe Stellenwert der Familie im Sozialgef√ľge gab ihr Vorrang vor dem Individuum (so blieb auch die Wahl des Ehepartners Sache der Familie). Der Bestand der Familie und die entsprechenden Pflichten des Einzelnen ihr gegen√ľber waren h√∂chstes Gebot, damit verbunden war ein enges Zusammengeh√∂rigkeitsgef√ľhl. - Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde versucht, auch die japanische Familie zu demokratisieren. Wertvorstellungen und Verhaltensweisen aus dem alten Familienkonzept leben jedoch noch fort. Gegenw√§rtig ist in Japan der Typ der Kleinfamilie vorherrschend.
 
 Ideengeschichte und Leitbilder der Familie in Europa
 
In der griechischen Philosophie gab es keine einheitliche Lehre √ľber Ehe und Familie. Wichtig wurde die Auffassung des Aristoteles, dass der Staat die Summe vieler selbstst√§ndiger Gemeinschaften sei. Sowohl in der Ehe als auch in der Leitung des ¬ĽHauses¬ę (Oikos) komme dem Mann ¬Ľvon Natur¬ę die F√ľhrungsrolle zu. Auch die Idee von der Familie als ¬ĽKeimzelle des Staates¬ę (¬Ľdie Familie ist urspr√ľnglicher und unentbehrlicher als der Staat¬ę) findet sich bei Aristoteles. - Bereits in der Antike, v. a. bei den Sophisten und Sokratikern, bei den Kynikern und Epikureern, gab es kritische Einw√§nde gegen Ehe und Familie, die in der Summe praktisch alle sp√§teren Einw√§nde vorwegnehmen. Einige Stoiker hingegen erkl√§rten Ehe und Familie zur staatsb√ľrgerlichen Pflicht. - Die j√ľdisch-christliche Tradition der Ehe- und Familienauffassungen ist keineswegs einheitlich oder von Anfang an voll ausgebildet. Das mag zum Teil darauf zur√ľckzuf√ľhren sein, dass Ehe und Familie, zumal nach dem Alten Testament, gegen√ľber St√§mmen, Sippen und Gentilverfassungen noch nicht im heutigen Sinne verselbstst√§ndigte soziale Einheiten waren. So finden sich auch im Alten Testament keine strengen Monogamievorschriften, sondern nur Hinweise auf eine entsprechende Tendenz. Jesus nahm Stellung zur Ehe und ihrer Unaufl√∂slichkeit, nicht zur Familie; die theologische Reflexion √ľber Ehe und Familie geht im Wesentlichen von Paulus aus. Die enge Verbindung von ¬ĽHaus Gottes¬ę, Familie und christliche Gemeinde wird im Neuen Testament mehrmals angesprochen und wirkte unmittelbar auf Leben und Lehre der Urkirche.
 
Zur breiteren Durchsetzung des christlichen Ehe- und Familienideals kam es erst zur Zeit der Reformation (16. Jahrhundert), in Deutschland besonders durch Leben und Werk von M. Luther (dessen Einfluss aber nicht auf den protestantischen Raum beschr√§nkt blieb). Das Familienleben wurde zum Ausgangspunkt des christlichen Lebens sowie einer neuen Arbeits- und Berufsauffassung. Die seit dem Konzil von Trient (1545-63) festgeschriebene unterschiedliche Eheauffassung der beiden Konfessionen wurde √ľberlagert durch das sich allgemein durchsetzende Ideal der christlichen Hausgemeinschaft. Die Naturrechtslehren der Aufkl√§rung und die Romantik f√ľhrten zusammen mit tief greifenden sozialen Wandlungen zu √Ąnderungen der Familienauffassung; man ging jetzt von der Natur des Menschen, seiner Autonomie und Vervollkommnungsf√§higkeit aus. Die Romantik verst√§rkte diesen Trend insofern, als sie f√ľr die Familiengr√ľndung das innige Liebesverh√§ltnis von Mann und Frau zur Voraussetzung machte.
 
In der deutschen idealistischen Philosophie spielte die Reflexion √ľber Ehe und Familie eine wichtige Rolle. Vor allem G. W. Familie Hegels Auffassung von Familie im Zusammenhang seiner Gesellschafts- und Staatstheorie, seiner Theorie von Natur und Sittlichkeit wurde in Deutschland einflussreich. Die Bestimmung der ¬Ľdrei Verh√§ltnisse¬ę (Eltern-, Eltern-Kind- und Geschwister-Sph√§re) in der ¬ĽPh√§nomenologie des Geistes¬ę (1807) zeigt die Komplexit√§t und Verflochtenheit des Geistigen und Sozialen, des Geschlechtlichen, Sittlichen und Religi√∂sen und die diesen Verh√§ltnissen innewohnende Dynamik.
 
Die Durchsetzung des b√ľrgerlichen Rechts- und Verfassungsstaats ging von dieser Verschr√§nkung von Familie, Gesellschaft und Staat aus, sowohl verfassungsrechtlich (seit 1919) und zivilrechtlich (wie im BGB) als auch in der Sozial- und Familienpolitik. Unter gewandelten Verh√§ltnissen war, auch ideell, die Familie wiederum Teil einer umfassenden Sozialordnung geworden. Idee und Gestalt der b√ľrgerlichen Familie, in Verbindung mit einer spezifischen Eigentumsordnung, wurden zum Eckpfeiler der b√ľrgerlichen Gesellschaft und Leitbild auch f√ľr die proletarische Familie.
 
Zur Ideengeschichte der Familie geh√∂ren auch die Entw√ľrfe der fr√ľhb√ľrgerlichen Utopisten (z. B. T. Campanella) und der Fr√ľhsozialisten des 19. Jahrhunderts (v. a. C. Fourier, aber auch W. Weitling), weil ihre zum Teil in Kommunen und neuen Lebensgemeinschaften (den Phalanst√®res bei Fourier) realisierten Vorstellungen die existierenden Familienformen erweiterten oder infrage stellten. Der dann bei K. Marx und Familie Engels hervorgehobene enge Zusammenhang zwischen Familienform, Produktionsweise und Gesellschaftsstruktur hatte hier seinen Ausgangspunkt. Marx und Engels gingen allerdings davon aus, dass die von ihnen kritisierte b√ľrgerliche Familie erst auf der n√§chsth√∂heren gesellschaftlichen Entwicklungsstufe, der sozialistischen, √ľberwunden werden k√∂nne. Mit der russischen Revolution von 1917 schien der Zeitpunkt gekommen, die b√ľrgerliche Familie zu zerschlagen, um die Emanzipation der Frau und die proletarische Erziehung der Kinder durchzusetzen sowie den Einfluss von Kirche und Religion zu brechen. Mitte der 1930er-Jahre kam es aber zu einer √Ąnderung dieser radikalen, auch bei den Bolschewiki umstrittenen Politik.
 
Seit J. J. Bachofen mit seiner Theorie des Mutterrechts (1861) die Vorstellung von der Urspr√ľnglichkeit der patriarchalisch strukturierten Familie ersch√ľtterte, haben die Sozialwissenschaften, so Ethnologie und (Sozial-)Geschichte sowie die seit Ende des 19. Jahrhunderts sich etablierende Psychologie und Soziologie, sowohl vorherrschende Familienleitbilder relativiert als auch Argumentationen der Frauenbewegung gegen die b√ľrgerlich-patriarchale Familie gest√ľtzt. Der Nationalsozialismus machte diese Bestrebungen r√ľckg√§ngig oder nutzte sie auf seine Weise: Die Familie wurde zu einem Eckpfeiler der Blut-und-Boden-Ideologie. Hierzu geh√∂rte auch die seit dem 19. Jahrhundert (W. H. von Riehl) nachweisbare Idealisierung der (v. a. b√§uerlichen) Gro√üfamilie.
 
Die Diskussion um Leitbilder der Familie wurde in der BRD nach anfänglicher, nicht zuletzt aus der sozialen Not heraus entstandener konservativer, stark vom Christentum mitbestimmter Einstellung zunehmend kritischer
 
 Sozialgeschichte der Familie in Mitteleuropa
 
Die historische Familienforschung v. a. seit den 60er-/70er-Jahren hat gezeigt, dass fr√ľhere Auffassungen von der sich √ľber Stamm, Sippe, Gro√üfamilie und schlie√ülich Kleinfamilie verkleinernden Familienform falsch sind und auch in Antike und Mittelalter die Kleinfamilie vermutlich die verbreitetste Familienform war. Durch zahlreiche Analysen gesellschaftlicher Feinstrukturen ist auch anerkannt, dass die Entwicklung der vorindustriellen patriarchalen Hauswirtschaft sowie die mehrdimensionale Komplexit√§t des historischen Strukurwandels der Familie seit dem 18. Jahrhundert auf der Grundlage von Urbanisierung und Industrialisierung sowohl Abbr√ľche, Verwerfungen als auch Gleichzeitigkeit und Vielfalt unterschiedlicher Entwicklungsverl√§ufe nicht ausschlie√üt.
 
Die stark idealisierten Schilderungen der germanischen Ehe und Familie von Tacitus (¬ĽGermania¬ę) haben der Forschung nicht standgehalten. Es dominierte die Sippenordnung (im Gegensatz zur r√∂mischen Haushaltsgemeinschaft unter v√§terlicher Gewalt). Mit der Ausbildung des Lehnswesens und des Feudalsystems kam es zu einer starken Differenzierung der b√§uerlichen, grundherrschaftlichen und adlig feudalen Familienformen. Die Entwicklung der St√§dte seit dem 12. Jahrhundert in Mitteleuropa brachte neue Familienformen hervor, die schon in ihrer Bezeichnung die enge Verbindung zu Beruf und Stand erkennen lassen, an wichtigster Stelle die Kaufmanns- (Patrizier) und die Handwerkerfamilie (Z√ľnfte). Vereinheitlichend, trotz aller sozialen Unterschiede, wirkte die ¬ĽChristianisierung¬ę von Ehe und Familie seit Beginn der Feudalzeit, verst√§rkt seit dem 11. Jahrhundert (allm√§hliche Durchsetzung der Sakramentsehe und der sich damit verbessernden Stellung der Frau in Ehe und Familie). In dem damit begr√ľndeten Ideal der christlichen Haushaltsfamilie (¬ĽHausgenossenschaft¬ę), die neben den Blutsverwandten alle zum ¬ĽHaus¬ę (deshalb auch als Synonym gebraucht) geh√∂renden Personen (¬ĽHausgenossen¬ę), also auch Gesinde, Gesellen und - je nach Gr√∂√üe und √∂konomischer Basis des ¬ĽHauses¬ę - andere Personengruppen umfasste, liegen wichtige Wurzeln des christlich-abendl√§ndischen Kultur- und Zivilisationsprozesses. Bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts blieb das Familienleben christlich gepr√§gt; Hochzeit, Geburt, Taufe, Konfirmation und Tod, aber auch die Feste des Jahreslaufs waren mit vielf√§ltigem, zum Teil erhalten gebliebenem Volksbrauchtum verbunden. Im Alltagsleben war die der Geschlechtsvormundschaft (Munt) des ¬ĽHausvaters¬ę untergeordnete Frau f√ľr Haus und Herd (Schl√ľsselgewalt) sowie die Kinder und deren Gesundheit verantwortlich.
 
Mit der sich seit dem 18. Jahrhundert durchsetzenden b√ľrgerlichen Familie zerbrach die christliche Haushaltsfamilie; es setzte (trotz des verbleibenden Gesindes) die Entwicklung zur Kleinfamilie ein. In der b√ľrgerlichen Familie mit ihrer Sph√§re gr√∂√üerer Privatheit erfolgte allm√§hlich eine Differenzierung von au√üerh√§uslichen Erwerbsarbeit (Mann) und Hausarbeit (Frau). Infolge der P√§dagogisierung der Kinder- und Jugendphase seit Ende des 18. Jahrhunderts, die ihrerseits die Rolle der Hausfrau und Mutter mitpr√§gte, kam es zur Ausbildung einer eigenst√§ndigen ¬ĽKindersph√§re¬ę (P. Ari√®s); Kinderbetten und Kinderzimmer z. B. wurden erst nach 1700 √ľblich.
 
Die Zeit des Merkantilismus und schlie√ülich der beginnenden Industrialisierung brachte neue Familien- und Haushaltstypen hervor, von denen die Familie der Hausindustrie und die proletarische Familie (Arbeiterfamilie) die wichtigsten sind (H. Rosenbaum). Mit der Ausweitung des Bergbaus und des H√ľttenwesens, der Fabrikarbeit und Verst√§dterung seit etwa 1850 wurde die proletarische Familie bev√∂lkerungsstatistisch zur gr√∂√üten Sozialgruppe. Sie war historisch etwas v√∂llig Neues: Zum einen konnte f√ľr das Proletariat die Ehe- und Familienlosigkeit nicht mehr erzwungen werden (wie W. H. von Riehl noch 1855 f√ľr den ¬Ľvierten Stand¬ę gefordert hatte), zum anderen waren alle arbeitsf√§higen Familienmitglieder in au√üerh√§uslicher, abh√§ngiger Besch√§ftigung (die Mitarbeit von Frau und Kindern war und blieb aber auch in Bauern- und Handwerkerfamilien h√§ufig zur Aufrechterhaltung des Familienbetriebs notwendig). Neben den Arbeitsbedingungen waren es die √§rmlichen, unhygien. Wohnbedingungen der proletarischen Familie, die eine Hauptursache der sozialen Frage beziehungsweise der Forderung nach revolution√§rer Umgestaltung der Gesellschaft bildeten. Erst seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts besserten sich die Lebensbedingungen der proletarischen Familie, nahm die Kinderarbeit sp√ľrbar ab, verbreiteten sich Haus- und Gartenbesitz (f√ľr Arbeiterfamilien in Industriest√§dten h√§ufig als Schrebergarten).
 
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich die Arbeits-, Wohn- und allgemeinen Lebensbedingungen in den verschiedenen Familienformen und Sozialschichten st√§rker angeglichen, als dies je zuvor der Fall war. Ein wichtiger Angleichungsprozess hat auch hinsichtlich der allgemeinen gestiegenen Lebenserwartung und anderer demographischer Faktoren der Familie stattgefunden. Hierzu z√§hlten bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts die Auswirkungen einer sehr hohen Geburten- und Sterberate, Letztere bedingt durch eine hohe S√§uglings- und Kindersterblichkeit und vielfach durch den fr√ľhen Tod der Eltern. Entsprechend gro√ü war auch die Zahl der Wiederverheiratungen (¬Ľsukzessive Monogamie¬ę), aber auch der Altersunterschied zwischen den Ehepartnern. Ehescheidungen waren untypisch und kamen sehr selten vor, dann jedoch √ľberwiegend ¬Ľbei kinderlosen und einkindigen Ehen¬ę (Familie T√∂nnies).
 
 Gegenwärtige Bewertungen und Entwicklungen
 
Der Typus der unabh√§ngigen, aus dem weiteren Familien-, Verwandtschafts- oder Stammesverband herausgel√∂sten Kernfamilie hat sich weltweit mehr und mehr durchgesetzt, auch in L√§ndern der Dritten Welt, wo eine hohe Bev√∂lkerungszunahme und schnelle Verst√§dterung zur Preisgabe traditionaler Familienformen bei gro√üen Bev√∂lkerungsteilen f√ľhrten.
 
In westlichen Gesellschaften, in denen die b√ľrgerliche Familie zum Leitbild in allen Gesellschaftsschichten wurde, haben sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 fundamentale Wandlungen ergeben. Die Technisierung der Haushalte erleichterte die Hausarbeit und f√ľhrte zusammen mit anderen Entwicklungen zur Reduktion des f√ľr die b√ľrgerliche Familie typischen Hauspersonals. Die Zahl der Kinder reduzierte sich erheblich, was ebenso wie die √Ąnderungen in der Produktionsstruktur, in der Siedlungsweise und den Wohnverh√§ltnissen, die verl√§ngerten Schul- und Ausbildungszeiten der Kinder, der Zuwachs an Tages- und Wochenendfreizeit und die Innovationen der Medien- und Freizeitkultur das Familienleben beeinflusste. Auch die Durchsetzung des Ideals der ¬Ľpartnerschaftlichen Ehe und Familie¬ę (und damit der Individualisierung der Familienmitglieder gegen√ľber der Institution Familie) und der au√üerh√§uslichen Erwerbsarbeit f√ľr die Frau (bei schnell angestiegenen Bildungs- und Ausbildungsstandards der M√§dchen und Frauen seit Beginn der 1960er-Jahre) f√ľhrte zu √Ąnderungen in den Auffassungen √ľber Familie und die Formen des Familienlebens. Die h√§ufig kritisierte Eigenschaft der Familie, die entscheidende ¬ĽReproduktionsagentur¬ę bestehender Klassen- und Schichtenunterschiede, √ľberkommener Autorit√§tsstrukturen sowie traditioneller Geschlechterrollenstereotype zu sein, hat in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung eingeb√ľ√üt, wenngleich sie tendenziell fortbesteht. Die gesellschaftlichen Existenzbedingungen der Lebensform Familie haben sich wesentlich ver√§ndert, was sich in einigen Aufl√∂sungserscheinungen zeigt:
 
Deutlich zugenommen haben in den letzten Jahren das Heiratsalter, die Zahl der (nichtehelichen) Lebensgemeinschaften, auch mit Kindern, die Zahl nichtehelicher Geburten, die Zahl allein erziehender M√ľtter und V√§ter, die Zahl der Scheidungen auch bei Familien mit Kindern, die Zahl erwerbst√§tiger M√ľtter mit Kindern unter 15 Jahren. Deutlich r√ľckl√§ufig ist die Heiratswahrscheinlichkeit, und zwar in allen europ√§ischen L√§ndern; stark r√ľckl√§ufig sind seit Mitte der 60er-Jahre die Kinderzahl pro Ehe beziehungsweise Familie und die Zahl der Ehen, die √ľberhaupt Kinder haben. Dies verdeutlicht die Entwicklung der Familien- beziehungsweise Haushaltsgr√∂√üe innerhalb der letzten 90 Jahre.
 
Die Erh√∂hung der Lebenserwartung in den entwickelten L√§ndern hat die ¬Ľnachelterliche¬ę Lebensphase erheblich verl√§ngert. Nach dem Fortgang der Kinder aus dem elterlichen Haushalt und dem oftmals zeitgleichen Ausscheiden wenigstens eines der (Ehe-)Partner aus dem Berufsleben (h√§ufig kommt die die Pflegebed√ľrftigkeit der alten Eltern oder naher Verwandter noch hinzu) stehen Partnerschaft und Ehe vor neuen Herausforderungen. Immer mehr Menschen erleben ihre Urenkel, die Beziehungen der verschiedenen Generationen untereinander haben sich gegen√ľber fr√ľheren Zeitabschnitten qualitativ deutlich ver√§ndert. Nach wie vor haben jedoch verwandschaftliche Bindungen eine gro√üe Bedeutung f√ľr die gegenseitige Unterst√ľtzung: Die Mehrzahl der Eltern lebt in leicht erreichbarer Entfernung zu zumindest einem Gro√üelternteil, und oftmals √ľbernehmen die Gro√üeltern oder andere Verwandte die Betreuung und Versorgung der (kleinen) Kinder.
 
Zu differenzieren sind die Thesen vom Funktionsverlust der modernen Familie; besser ist es, vom Funktionswandel zu sprechen. Die Familie hat zwar viele Funktionen an au√üerfamili√§re Institutionen abgetreten, aber auch gr√∂√üere Aufgaben der Sozialisation √ľbernommen. Die Familie ist auch heute noch Ursprung und Ziel einer kaum √ľberschaubaren F√ľlle ethischer Normen und sittlicher Grund√ľberzeugungen. Auch in Industriegesellschaften der Gegenwart erfolgt die Entwicklung des moralischen Urteils (Hans Bertram) und die ¬Ľzweite, soziokulturelle Geburt des Menschen¬ę (D. Claessens, R. K√∂nig) bis auf einige Ausnahmen immer noch in der Familie.
 
Die Lebensbedingungen und Entwicklungsgesetzlichkeiten fortgeschrittener Industriegesellschaften pr√§gen haupts√§chlich den Wandel der Familie. Die rigiden Anforderungen des Arbeitsmarktes an die Arbeitnehmer hinsichtlich v. a. Flexibilit√§t, Leistungspr√§senz und Mobilit√§t verlangen oftmals Kompensationsleistungen von Familie und Partnerschaft, denen sie nicht gewachsen sind. Aufgrund staatlicher Sicherungssysteme, aber auch infolge steigender Frauen- und insbesondere M√ľttererwerbst√§tigkeit, hat die Bedeutung der Versorgungsfunktion der Familie deutlich abgenommen. Dar√ľber hinaus ist das Alleinleben beziehungsweise die geplante Kinderlosigkeit weithin nicht mehr gesellschaftlicher Missbilligung ausgesetzt. Die schwindende Notwendigkeit, eine zerr√ľttete Ehe-, Partner- beziehungsweise Familienbeziehung aufgrund √∂konomischer Abh√§ngigkeit und sozialer √Ąchtung aufrechtzuerhalten, haben zu einer Differenzierung der Lebensformen beigetragen. Die Institution Familie hat deutlich an Stabilit√§t und damit an Sicherheit f√ľr ihre Mitglieder verloren, andererseits ist jedoch so die M√∂glichkeit eines weitgehend selbst bestimmten Lebens - ob inner- oder au√üerhalb von Partnerschaft und Familie - f√ľr M√§nner und Frauen gegeben.
 
Die weitere Entwicklung der Familienformen, der Familienh√§ufigkeit und des Familienverst√§ndnisses wird wesentlich davon abh√§ngen, ob der Arbeitsmarkt und staatliche, die Familie unterst√ľtzende Ma√ünahmen M√§nnern und Frauen neue M√∂glichkeiten er√∂ffnen, Familien- und au√üerh√§usliche Berufsarbeit nebeneinander zu verwirklichen.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Bevölkerungsentwicklung · Bevölkerungspolitik · Ehe · elterliche Sorge · Eltern · Frau · Freizeit · Heirat · Kind · Mutter · Mutterrecht · Patriarchat · Single · Sozialisation · Vater · Vaterrecht · Verwandtschaft
 
 
W. J. Goode: Soziologie der F. (a. d. Amerikan., 61976);
 
Sozialgesch. der F. in der Neuzeit Europas, hg. v. W. Conze (1976);
 H. Bertram: Gesellschaft, F. u. moral. Urteil (1978);
 R. König: Die F. der Gegenwart (31978);
 D. Claessens: F. u. Wertsystem (41979);
 U. Familie Schmälzle: Ehe u. F. im Blickpunkt der Kirche (1979);
 U. Herrmann u. a.: Bibliogr. zur Gesch. der Kindheit, Jugend u. F. (1980);
 
Die F. in der Gesch., hg. v. H. Reif (1982);
 
Histor. F.-Forschung, hg. v. M. Mitterauer u. a. (1982);
 E. Shorter: Die Geburt der modernen F. (a. d. Engl., Neuausg. 1983);
¬†B. u. P. L. Berger: In Verteidigung der b√ľrgerl. F. (a. d. Amerikan., 1984);
 
Wandel u. Kontinuität der F. in der Bundesrepublik Dtl., hg. v. R. Nave-Herz (1987);
¬†Die F. als sozialer u. histor. Verband. Unterss. zum Sp√§tmittelalter u. zur fr√ľhen Neuzeit, hg. v. P.-J. Schuler (1987);
 E. Beck-Gernsheim: Die Kinderfrage. Frauen zw. Kinderwunsch u. Unabhängigkeit (21989);
 J. Goody: Die Entwickung von Ehe u. F. in Europa (a. d. Engl., Neuausg. 1989);
 B. Beuys: F.-Leben in Dtl. (Neuausg. 25.-28. Tsd. 1990);
 
Vom Patriarchat zur Partnerschaft. Zum Strukturwandel der F., Beitrr. v. M. Mitterauer u. R. Sieder (41991);
¬†R. van D√ľlmen: Kultur u. Alltag in der fr√ľhen Neuzeit, 3 Bde. (1-21992-95);
 R. Hettlage: Familienreport. Eine Lebensform im Umbruch (1992);
¬†Sibylle Meyer u. Eva Schulze: Balancen des Gl√ľcks. Neue Lebensformen: Paare ohne Trauschein, Alleinerziehende u. Singles (21992);
 C. Lévi-Strauss: Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft (a. d. Frz., Neuausg. 1993);
 B. Schäfers: Gesellschaftl. Wandel in Dtl. Ein Studienbuch zur Sozialstruktur u. Sozialgesch. (61995);
 R. Sieder: Sozialgesch. der F. (41995);
 P. Ariès: Gesch. der Kindheit (a. d. Frz., Neuausg. 121996);
 
Gesch. der F., hg. v. A. Burguière u. a., auf 4 Bde. ber. (a. d. Frz., 1996 ff.);
 H. Rosenbaum: Formen der F. (71996);
 I. Weber-Kellermann Die dt. F. Versuch einer Sozialgesch. (Neuausg. 1996);
 
Die F., hg. v. I. Weber-Kellermann: (Neuausg. 1996).
 
III
Famili|e
 
[lateinisch, eigentlich ¬ĽGesinde¬ę] die, -/-n, ¬†
 1) biologische Systematik: Familia, systematische Kategorie, in der näher verwandte Gattungen zusammengefasst werden. In der Zoologie gekennzeichnet durch die Endung -idae, in der Botanik durch die Endung -aceae.
 
¬†2) Mathematik: eine Abbildung m: I ‚Üí M von einer Indexmenge I in eine beliebige Menge M, deren Bilder man als mi und die man selbst auch als (mi) i‚ąąI schreibt.
 

* * *

Fa|mi|lie, die; -, -n [lat. familia, eigtl. = Gesinde, Kollektivbildung zu: famulus, ‚ÜĎFamulus]: 1. a) aus einem Elternpaar od. einem Elternteil u. mindestens einem Kind bestehende [Lebens]gemeinschaft: eine vierk√∂pfige, gro√üe, intakte, kinderreiche, zerst√∂rte F.; seine kleinb√ľrgerliche F. ist ihm peinlich (Chotjewitz, Friede 44); die durchschnittliche F. gibt es immer seltener; die Heilige F. (Maria u. Joseph mit dem Jesuskind); F. Meyer ist verreist; eine F. gr√ľnden; Nein, sagte der Tischlermeister, ein st√§dtischer Angestellter k√∂nne keine F. ern√§hren (Bieler, B√§r 67); haben Sie F.? (haben Sie einen Partner, eine Partnerin u. Kinder?); R das bleibt in der F. (das bleibt unter uns); das kommt in den besten -n vor (das kann jedem passieren, ist nicht so schlimm); b) Gruppe aller miteinander [bluts]verwandten Personen; Sippe: eine alte, adlige, reiche F.; (iron.:) eine feine, sch√∂ne F.!; in eine F. einheiraten; aus guter F. stammen; das liegt in der F. (ist ihre Eigenart); 2. (Biol.) systematische Einheit, Kategorie, in der n√§her miteinander verwandte Gattungen tierischer od. pflanzlicher Lebewesen zusammengefasst sind. 3. Gesamtheit, Serie von √§hnlich gebauten technischen Ger√§ten [eines Herstellers] mit gleichem od. verwandtem System.

Universal-Lexikon. 2012.

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